Zivilschutzalarm für Michelndorf

Hochwasser in Michelndorf – September 2024: Ein Jahrhundertereignis im Tullnerfeld

Zwischen dem 13. und 20. September 2024 wurde Niederösterreich von einem der verheerendsten Hochwasserereignisse der letzten Jahrzehnte getroffen. Besonders betroffen war das Tullnerfeld – darunter auch die Gemeinde Michelhausen mit dem Ortsteil Michelndorf, wo die Perschling über die Ufer trat und massive Schäden verursachte.

 

Meteorologische Ursachen und Ausmaß

Innerhalb von fünf Tagen fielen in Teilen Niederösterreichs bis zu 500 Liter Regen pro Quadratmeter – ein Niederschlagswert, der statistisch einem 1.000-jährlichen Ereignis entspricht. Die Perschling, ein sonst ruhiger Fluss, verwandelte sich in einen reißenden Strom. In Michelndorf wurde ein 300-jährliches Hochwasserereignis überschritten.

 

Die Perspektive der Michelndorfer Bevölkerung

Am Sonntag, dem 15. September 2024, wurde in Michelndorf frühmorgens Zivilschutzalarm ausgelöst. Für viele Bewohner war die Situation surreal – fast unwirklich. Doch jeder spürte instinktiv, dass etwas Großes bevorstand. Niemand wusste genau, wann und wie es sich entfalten würde.

 

Die Sirene am Feuerwehrhaus heulte, und über Lautsprecher wurden eindringliche Durchsagen gemacht. Unsere Feuerwehrleute handelten bestimmt und nachdrücklich – ihre Präsenz vermittelte Sicherheit inmitten der Unsicherheit.

 

Kurz darauf begannen die ersten Einsätze im östlichen und westlichen Teil der Ortschaft. Aufgrund der anhaltenden Niederschläge und des steigenden Grundwassers wurden zahlreiche Keller überflutet. Am Vormittag wurden die Dammwachen am Hochwasserabzugsgraben der Perschling eingestellt, es war einfach zu gefährlich auf den aufgeweichten Dämmen zu gehen. Gegen Mittag war kein Ortsbewohner mehr untätig – alle waren in irgendeiner Weise mit Hochwasser und Regen beschäftigt.

 

Am Nachmittag wurde der Perschlingdamm im Bereich „Seemann“ – eine lokale Flurbezeichnung – überflutet. Fast zeitgleich kam es zu einem Dammbruch in der Ortschaft Perschling. Die Wassermassen strömten in einer breiten Front von Weinzierl bis nach Michelndorf und weiter in Richtung Rust. Im Osten unserer Ortschaft stieg die Perschling so stark an, dass sie sogar die Bundesstraße überquerte – ein Bild, das sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt hat.

 

Besonders betroffen waren in Michelndorf jene Gebäude, die etwas tiefer lagen – vor allem landwirtschaftliche Lager- und Einstellgebäude. Das Wasser kam so schnell, dass viele Betroffene keine Möglichkeit hatten, ihre Tiere, Gerätschaften oder Maschinen rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Hühnerställe, Traktoren, Futtermittel und Werkzeuge wurden überflutet oder beschädigt.

Am Sonntagnachmittag wurde aus Sicherheitsgründen der Strom abgeschaltet – eine Maßnahme, die zwar notwendig war, aber eine zusätzliche Herausforderung darstellte. Plötzlich waren Notstromaggregate gefragt, wo immer sie verfügbar waren. In vielen Haushalten wurden Holzöfen aktiviert, sofern vorhanden, um zumindest eine Grundversorgung aufrechtzuerhalten.

Die Kombination aus Wassermassen, Stromausfall und der Ungewissheit über die weitere Entwicklung der Lage stellte die Bevölkerung vor eine enorme Belastungsprobe. Doch gerade in dieser Situation zeigte sich der Zusammenhalt im Ort, Nachbarn halfen einander, improvisierten Lösungen und teilten Ressourcen.

 

Ein wichtiger Faktor in unserer Ortsgemeinde Michelndorf war, dass während der Krise zahlreiche Beiträge auf sozialen Medien, Gemeindewebseiten und Feuerwehrseiten veröffentlicht. Die Freiwillige Feuerwehr Michelhausen dokumentierte die Lage laufend und informierte über Evakuierungen und Schutzmaßnahmen. Auch die Gemeinde Michelhausen veröffentlichte Sonderausgaben zur Hochwasserkatastrophe.

Die Schäden im Bezirk Tulln beliefen sich auf über eine Milliarde Euro. Denn die bestehenden Hochwasserschutzanlagen konnten die Katastrophen nicht verhindern. In einer Pressekonferenz im Juli 2025 wurden neue Maßnahmen zur Vorsorge und Prognose vorgestellt – ein Zeichen dafür, dass aus der Katastrophe gelernt wurde.

Rund 131.000 Einsatzkräfte waren landesweit im Einsatz – der größte Katastrophenhilfeeinsatz in der Geschichte Niederösterreichs. In Michelndorf arbeiteten Feuerwehr, und freiwillige Helfer unermüdlich.

 

Das Hochwasser in Michelndorf war nicht nur ein Naturereignis, sondern auch ein Moment der Solidarität und des Zusammenhalts. Die digitalen Beiträge, persönlichen Geschichten und offiziellen Berichte bilden ein Mosaik der Erinnerung – und eine Mahnung für die Zukunft.